Wie managen Mediatoren/innen sich selbst? Teil 2

Vor kurzem haben wir über das neu erschienene Buch „Wie managen Mediatoren/innen sich selbst?” berichtet und möchten nun kurze Einblicke in weitere Beiträge geben. Aus vier verschiedenen Ansätzen werden Möglichkeiten entwickelt, wie Mediatoren/innen komplexe und schwierige Situationen bewältigen können.

Renata Bauer-Mehren gibt Einblicke in die Feld-Theorie. Danach werden Menschen und ihre wechselseitigen Beziehungen als System betrachtet, das sich selbst organisiert und reguliert. Konflikte sind dann ein Ausdruck gestörter Balance und Symmetrie. Aus dieser Perspektive ist es sinnvoll, Konflikte im Kontext eines Systems von Menschen und Beziehungen zu betrachten und darin wirkende Strukturen, Rollen und Kräfte wahrzunehmen. Dies verlangt vom Mediator eine große Offenheit für Unausgesprochenes und Unbewusstes, sowohl bei den Medianden wie auch bei sich selbst. Wenn es gelingt, die unterschwelligen Ebenen der Wahrnehmung für die Mediation nutzbar zu machen, kann ein tiefgehendes und umfassendes Verständnis für den Konflikt erreicht werden.

In meinem Beitrag „Das innere Verhandlungsteam” verknüpfe ich das Konzept des „Inneren Teams” mit dem Ansatz des „Effizienten Verhandelns” und stelle damit eine Methode zur Selbstklärung vor. In schwierigen Situationen können sich Mediatoren/innen ihre eigenen Interessen und Widersprüche bewusst machen und diesen inneren Stimmen genau zuhören. Wenn die Mitglieder des Inneren Teams gehört worden sind, werden Positionen und Interessen verhandelt, damit im Ergebnis das Team mit einer Stimme sprechen kann und dem/der Mediator/in erlaubt, authentisch und professionell zu kommunizieren: „Eine gut geführte innere Verhandlung ist Voraussetzung für ein stimmiges Verhalten nach außen.” (S. 65).

Angelika Strauß und Dr. Heinz Strauß beschäftigen sich mit dem Nutzen von Resonanz für die Mediation und verknüpfen diese Gedanken mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung. Als Mediatoren finden sie es wichtig, sowohl den Klienten als auch sich selbst gegenüber ein hohes Maß an Achtsamkeit zu pflegen. Statt bei Unsicherheiten schnell zum nächsten Mediatonstool zu greifen, empfehlen sie, dem inneren Erleben und den zwischenmenschlichen Wechselwirkungen Raum zu lassen und diese wahrzunehmen. Ein bewusster Umgang mit Resonanzen ist nützlich für eine gute Verbindung zu den Klienten und kann außerdem helfen, schnell zum Kern des Konfliktes zu gelangen.

Im Gespräch mit Anja Köstler erläutert Prof. Dr. Matthias Varga von Kibéd die Bedeutung eines bewussten Perspektivwechsels in der Mediation und die dabei nützliche Funktion von Separatoren. Allparteiliche Mediatoren/innen sollten keine statische, neutrale Distanz wahren, sondern den Konfliktparteien Offenheit, Nähe und Einfühlung entgegenbringen. Damit Mediatoren/innen nicht durch die Emotionen der Parteien und ständige Perspektivwechsel in Verwirrung gestürzt werden, müssen sie Strategien entwickeln, um die innere Balance zu halten. Für Prof. Dr. Varga von Kibéd ist dies möglich, wenn die jeweiligen Perspektiven bewusst eingenommen und auch bewusst wieder verlassen werden. Dazu empfiehlt er die Entwicklung und den Einsatz individueller Separatoren. Solche kleinen Handlungen wie ein tiefes Durchatmen oder ein Schluck Wasser dienen dem/der Mediator/in dazu, sich bewusst von einer Perspektive zu trennen und zum eigenen Zustand zurückzukehren, um wieder offen für eine neue Perspektive zu sein.

 

41H5dHqw1kL._SS500_Wie managen MediatorInnen sich selbst?
Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte
Brigitte Gans, Solveig Hornung, Anja Köstler (Hrsg.)
Concadora Verlag Stuttgart
1.Auflage 2010
ISBN 078-3-940112-26-2

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