Wie managen Mediatoren/innen sich selbst? Teil 1

In Kooperation mit dem Concadora Verlag hat der Bundesverband Mediation e.V. ein Buch zum Thema Selbstmanagement für Mediatoren/innen herausgegeben und beginnt damit eine Fachbuchreihe unter dem Titel „Mediation in der Praxis”. In zwei Beiträgen werden wir kurze Einblicke geben.

Der Tanz auf dem Seil ist ein treffendes Bild für die Thematik des vorliegenden Buches. Zwischen eigenen und fremden Ansprüchen, Mitgefühl und Distanz, Erfolg und Scheitern müssen Mediatoren und Mediatorinnen ihre individuelle Balance finden.

Zum Einstieg arbeiten die Herausgeberinnen mit den Mediatoren Rudi Ballreich, Dr. Gisela Mähler, Lisa Waas und Stefan Wiesinger verschiedene Ansichten zum Konzept „Work-Life-Balance” heraus und schaffen in einem lebhaften Gespräch den Rahmen für die folgenden Beiträge.

Monika Oboth setzt sich mit der (möglichen) Erwartung auseinander, dass Mediatoren/innen auch in jeder alltäglichen Situation perfekt gewaltfrei kommunizieren sollten. Überzeugend plädiert sie für echte und aufrichtige Äußerungen – auch wenn diese mit etwas „Wolfssprache” gewürzt sind – gegenüber einer zwanghaften Verwendung der GfK-Methode. „Wir brauchen beides: locker-unperfektes und konzentriert-gewaltfreies Reden…” (S.36) Gewaltfreie Kommunikation versteht sie als nützliches Werkzeug in schwierigen Situationen und wünscht sich die Verbreitung einer gewaltfreien Grundhaltung, die sporadisches Wolfsgeheul tolerieren kann.

Regina Harms und Kirsten Schroeter beschäftigen sich mit dem Scheitern in der Mediation. Es gehört zur Realität dieser Tätigkeit, dass Mediationen manchmal nicht zum erhofften Erfolg führen oder abgebrochen werden. Solche Fälle zu thematisieren verspricht nach Meinung der Autoren wichtige Erkenntnisse.
Wie gehen Mediatoren/innen mit den Erwartungen der Medianden um und inwiefern genügen sie ihren eigenen Qualitätsansprüchen? Wie verarbeiten sie solche Erfahrungen?
Harms und Schroeter vertreten die Ansicht, dass Scheitern in der Mediation nicht einfach als Misserfolg abgebucht werden sollte, sondern als wichtige Quelle für (Selbst-)Erkenntnisse und als Anstoß für Lernprozesse herangezogen werden kann.

Insgesamt gibt das Buch Einblicke, wie Mediatoren/innen mit den verschiedensten Spannungen umgehen, die sich in und aus ihrer Tätigkeit ergeben. In mehreren Übungsvorschlägen werden Methoden vorgestellt, die einige Mediatoren/innen nutzen, um ihren persönlichen Seiltanz zu meistern.
Über weitere interessante Perspektiven aus diesem Buch berichten wir in Kürze.

41H5dHqw1kL._SS500_Wie managen MediatorInnen sich selbst?
Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte
Brigitte Gans, Solveig Hornung, Anja Köstler (Hrsg.)
Concadora Verlag Stuttgart
1.Auflage 2010
ISBN 078-3-940112-26-2

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