„Wie man Starrköpfe überzeugt”

- Kommentar zum Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 1. Februar 2012

Viele Menschen verteidigen ihre Irrtümer, obwohl ihre Gesprächspartner sie vom Gegenteil überzeugen wollen. Mythen werden verbreitet und der Glaube an sie ist beharrlich. Diskussionen mit Leugnern des Klimawandels, Kritikern von Verkehrsprojekten und anderen Situationen, in denen jemand vom Gegenteil dessen überzeugt werden soll, an das er glaubt, bleiben meist fruchtlos.

John Cook vom Global Change Institute der University of Queensland und Stephen Lewandowsky haben in der Broschüre „The debunking handbook” den Stand der Forschung

zusammenfassend dargestellt. Eine erhaltene Information wird konserviert, auch wenn über das Gegenteil informiert wurde, stellen die beiden Forscher fest.

Mehrere Studien zeigen dies zum Beispiel an dem Mythos der Mumps-Röteln-Impfung, die Autismus auslösen soll. Einmal als Information gestreut, fällt es schwer, diese zu widerlegen und aus den Köpfen der Menschen zu bekommen.

Die meisten Forscher glaubten lange Zeit, dass man den Probanden nur genügend Fakten zur Verfügung stellen muss. Dann würden Sie die falsche Meinung revidieren. Genau das Gegenteil ist der Fall. Eine große Anzahl von Fakten stärkt den Mythos statt ihn zu entkräften. „Eine simpel gestrickte Legende ist kognitiv attraktiver als deren komplexe Widerlegung”, kommentieren Cook und Lewandowsky. Sie fordern auf, sich auf wenige Thesen zu konzentrieren.

Auch die Gegenseite verstehen zu wollen, kostet Kraft und bringt nicht die gewünschten Ergebnisse. Je mehr Argumente die andere Seite darlegt, desto anstrengender wird es und desto näher liegt die Versuchung, auf die eigene bisherige Meinung oder den Mythos zurückzugreifen.

Aufklärer erreichen so oft das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen. Allein die Erwähnung des Irrtums stärkt diesen, statt ihn zu entkräften. Um eine Information zu widerlegen, muss sie erst mal erwähnt werden. Das Paradox liegt darin, dass schon die Erwähnung der falschen Information zu deren Verbreitung beiträgt. Und je vertrauter eine Nachricht durch oftmalige Erwähnung wird, umso stärker glauben die Menschen daran.

Die Forscher Cook und Lewandowsky raten, den Mythos, den man entschärfen will, gar nicht erst zu benennen. Stattdessen sollten die tatsächlichen Fakten betont werden, indem diese verständlich und prägnant dargestellt werden. Alles, was das Verständnis fördert, erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass etwas als wahr gelte. Schon ein gutes Schriftbild könne diesen Effekt unterstützen.

Wer starke Argumente hat, wird diese sogar noch festigen, wenn er mit Gegenargumenten

konfrontiert wird, sagen Cook und Lewandowsky.

Beide Forscher meinen, dass es erfolgversprechender sei, Menschen überzeugen zu wollen, deren Meinungen nicht so festgefahren sind.

Sie geben zwei Tipps, um Menschen von der Wahrheit zu überzeugen oder sie von einem Mythos abzubringen:

  1. „Wer andere nämlich dazu bringt, sich selbst positiv darzustellen, erzielt weniger heftige Abwehrreaktionen” bei unterschiedlichen Positionen
  2. Die andere Strategie besteht darin, die im Mythos verwendeten Begrifflichkeiten anzupassen oder zu umgehen.

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