Pause als Intervention in der Mediation

Die Pause als gezielt eingesetzte Methode in der Mediation bewirkt Distanz zum augenblicklichen Konfliktgeschehen. Dadurch kann ein neuer Aspekt oder Gedanke sowohl bei dem Mediator und der Mediatorin als auch bei den Konfliktparteien entstehen. Eine Pause als Intervention ist in fast jeder Mediation einsetzbar. Durch die Unterbrechung entsteht sowohl für den Mediator oder die Mediatorin als auch für die Medianden ein Raum für neue Ideen, noch nicht Gedachtes. Auch Einwände können sich in der Pause zu Wort melden.

Pause als Verhandlungstrick

In der Verhandlungsführung gibt es einen Trick, der auch öfter angewendet wird. Ein Verhandlungsbeteiligter lässt sich zu einem wichtigen Telefongespräch rufen, das es in Wahrheit gar nicht gibt. Ziel dieser Intervention ist es, sich in eine bessere Position zu bringen. Draußen vor der Tür hat der rausgerufene Verhandler die nötige Distanz zum aktuellen Verhandlungsgeschehen und den Emotionen. Er überlegt sich, wo er in der Verhandlung steht und wie er weiter vorgehen muss, um möglichst optimal in der Verhandlung abzuschneiden. Für die Methode „Pause als Intervention” stellt sich die Frage, was den Moment vor der Tür – außerhalb der Verhandlung – so wichtig macht, dass sogar ein Telefongespräch vorgetäuscht wird.

William Ury schreibt in seinem Buch „Schwierige Verhandlungen” (München, 1992, S. 29) vom „inneren Balkon”. Er empfiehlt in Verhandlungen Situationen herbeizuführen, um Distanz zum aktuellen Geschehen und zu den eigenen Emotionen zu bekommen. Die Konzentration auf die eigenen Interessen und das eigene Ziel lassen sich dort, auf dem „inneren Balkon”, leichter verfolgen.

Methode: Pause als Intervention

Methoden sind Anleitungen, um in einer bestimmten Art und Weise aktiv zu werden. Pause als Intervention zielt auf „less is more” – weniger ist mehr. Statt fortzufahren und noch mehr desselben zu tun schlägt der Mediator oder die Mediatorin eine Pause vor: Der Mediator/die Mediatorin verfolgt damit ein Innehalten in der Vorgehensweise und eine Veränderung der Konfliktbearbeitung.

Der Entwicklung und gezielten Nutzung des Pauseneffekts ging voraus, dass ich in meiner Mediationspraxis – und auch als Coach und Trainer – die Erfahrung machte, dass in den Pausen, beim Hände waschen, Kaffee holen oder anderen eher routinierten Pausenaktivitäten mir eine Idee, eine Frage, ein „Spätmelder” zu Bewusstsein kam, an den ich vorher innerhalb der Mediationssitzung noch nicht gedacht hatte. Der nächste Schritt war die Annahme, dass, wenn Pausen mir als Mediator zu neuen Aspekten und Gedanken verhelfen, dies auch für die Konfliktparteien zutreffen könnte. Pausen könnten in einem doppelten Maße produktiv sein und methodisch in der Mediation genutzt werden. Dazu braucht es aber ein methodisch klares Vorgehen.

Länge der Mediationssitzungen als Voraussetzung für eine Pause

Die Beratungssequenz muss lang genug sein, um eine sinnvolle Pause vorschlagen zu können. Die meisten Mediationssitzungen dauern 1,5-2 Stunden. Das ist ausreichend Zeit, um eine zeitlich klar begrenzte Pause zu machen.

Intuition als wichtige Voraussetzung für die Pausentechnik

Für den Einsatz der Methode ist es wichtig, der eigenen Intuition zu folgen. Wenn der Mediator oder die Mediatorin den Impuls verspürt, dass es irgendwie nicht weitergeht, der Prozess ins Stocken gerät oder einfach die Luft raus ist, sollte er oder sie diesen Impuls ernst nehmen und eine Pause vorschlagen. Besonders auch deshalb, weil man davon ausgehen kann, dass eine Person im Raum den gleichen Impuls verspüren könnte. Pausen können in Blockadesituationen hilfreich sein, um in der Konfliktbearbeitung einen Schritt voran zu kommen

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