Eine Ausbildungsteilnehmerin berichtet

Kommunikation in der Mediation – das zweite Modul der Ausbildung “Mediation in Unternehmen”

Am Wochenende fand das zweite Modul der Mediationsausbildung statt: drei Tage Input, viele Emotionen und spannende Übungen und Rollenspiele.

Das Wochenende war geprägt von Gefühlen und Bedürfnissen. Was genau ist der Unterschied und was ist eigentlich ein Gefühl? Marshall Rosenberg sagt: “Gefühle sind Kinder der Bedürfnisse”. Das bedeutet, dass hinter jedem Gefühl ein Bedürfnis steckt, das befriedigt werden will. Nichterfüllte Bedürfnisse können zu Konflikten führen. Hierbei war eine wichtige Erkenntnis, dass nicht die Bedürfnisse zweier Personen in Konflikt zueinander stehen, sondern die jeweiligen Strategien, die die Personen anwenden, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
Wir erhielten eine Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg, in der es vor allem darum geht, sachliche Beobachtungen von subjektiven Bewertungen zu trennen. Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse müssen erkannt und benannt werden, um im Anschluss daran eine klare Bitte an die andere Partei zu formulieren. Es gibt in der GfK also vier Schritte, deren Befolgen nicht nur in einer Mediation eine Rolle spielt. Sie lassen sich auch auf alltägliche Situationen anwenden:

  1. Beobachtung
  2. Gefühle benennen
  3. Bedürfnisse benennen
  4. Bitte formulieren

Außerdem lernten wir, zwischen Wolfs- und Giraffensprache zu unterscheiden. Dabei hatte ich große Schwierigkeiten, denn jeder von uns kennt Ausdrücke der Wolfssprache (“Immer tust du das!” oder “Nie kann man sich auf dich verlassen!” usw.) und wer benutzt diese nicht hin und wieder?

Die Gruppe übte sich in Empathie und Einfühlen in die eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

Natürlich befassten wir uns auch mit der Mediation an sich. Wir machten Rollenspiele zum Erstkontakt. Hier ließ ich mich als Mediandin völlig aus, indem ich ohne das Wissen meines Ehemannes eine Mediation verabredete, frei nach dem Motto “Der hatte nie eine eigene Meinung und hat immer zu allem Ja gesagt, dann wird er das jetzt auch mitmachen!”

Ich durfte allerdings auch einmal Mediatorin sein und musste feststellen, dass es wirklich nicht so einfach ist, Gefühle und Bedürfnisse zu erspüren, ohne seine eigenen, privaten Fälle mit hineinzubringen oder seine eigenen Gefühle zu zeigen: “Das ist ja unverschämt! Das hätte ich mir nicht bieten lassen.”

Mir hat das Modul sehr gut gefallen, da es ziemlich emotionsreich war und obwohl ich die Menschen in der Gruppe kaum kenne, fiel es mir leicht, mich zu öffnen und emotionale Geschichten aus meinem Leben zu erzählen. Ich hatte mich noch nie zuvor so ausführlich mit meinen eigenen Konflikten beschäftigt und diese alle einmal auf eine sogenannte Konfliktlinie geschrieben.

Ich freue mich auf das nächste Modul und werde auch hiervon Bericht erstatten.

 

Lucas Mees

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