Bekanntheit von Mediation

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Auftrag der ROLAND Rechtsschutz- Versicherungs-AG im Herbst 2010 eine Befragung von 1.800 Personen durchgeführt. Der Schwerpunkt der Befragung lag hierbei darin, zu klären, wie bekannt dieses vergleichsweise neue rechtliche Verfahrensmodell – die Mediation – in der Bevölkerung ist und was dem Verfahren zugetraut wird.

1. Bekanntheit des Verfahrens

Hierzu lautete die Frage:

„Wenn man bei einer rechtlichen Auseinandersetzung nicht mehr weiterkommt, gibt es neben dem Gerichtsverfahren auch die Möglichkeit der sog. Mediation. Haben Sie von der Möglichkeit der Mediation schon einmal gehört oder hören Sie davon jetzt zum ersten Mal?”

57% haben bereits von der Möglichkeit der Mediation gehört. Besonders bei Personen mit höherer Schulbildung ist das Verfahren gut bekannt. Bei Personen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 2.500 Euro und mehr ist Mediation zu 63% ein Begriff. Bei Menschen mit höherer Schulbildung (Fachhochschulreife und mehr) sind es sogar 73%.

2. Grundsätzliche Bewertung

Den Befragten wurden in einem ersten Schritt Informationen zur Mediation gegeben:
Freiwilligkeit, Mediator als unabhängiger Vermittler, Mediator unterstützt Konfliktparteien, Vereinbarung wird gemeinsam getragen.
Auf der Grundlage dieser Informationen wurde gefragt: „Glauben Sie, dass man mit einem solchen Verfahren viele rechtliche Auseinandersetzungen beilegen kann oder sind sie skeptisch?”
48% glauben, dass sich dadurch Streitigkeiten beilegen lassen. 39% sind skeptisch.

3. Bewertung im Detail.

Sowohl bei Kosten und Aufwand als auch bei den Verfahrensmodalitäten schneidet die Mediation gut ab. Zwei Drittel der Bevölkerung glauben, dass Mediation das kostengünstigere Streitverfahren ist. 58% glauben, dass Mediation Gerichten Arbeit abnehmen kann. 60% meinen, dass durch die Mediation vermieden wird, dass es einen Verlierer gibt. 50% sehen durch die Einschaltung eines Mediators bereits einen Gewinn. 36% glauben, dass durch eine Mediation der Konflikt dauerhaft aus der Welt geschafft wird. Nur 15% glauben, dass Mediation nichts bewirkt. Diejenigen, die bereits von Mediation gehört hatten, bewerten diese auch besser.

4. Mediation oder Gerichtsverfahren

Auf die Frage: „Wenn Sie die Wahl hätten, welches Verfahren würden Sie bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung bevorzugen?” nannten 44% der Befragten das Mediationsverfahren, 20% das Gerichtsverfahren und 36% waren unentschieden.

5. Wer soll Mediator sein?

Für die infrage kommenden Berufsgruppen wurde folgende Frage gestellt: „Wer ist Ihrer Meinung nach als Mediator besonders gut geeignet: Rechtsanwälte, andere Fachleute wie zum Beispiel Psychologen oder jeder, der eine Ausbildung als Mediator gemacht hat?”
Entsprechend der Antworten scheinen die Befragten für die Ausübung von Mediation nicht unbedingt juristische Kompetenz vorauszusetzen. 40% meinen, dass jeder, der eine Mediationsausbildung hat, auch als Mediator geeignet ist. 39% halten Fachleute wie Psychologen für kompetent. 39% halten für die Vermittlungstätigkeit von Mediatoren juristisches Wissen für notwendig. Und nur 29% halten Rechtsanwälte für besonders geeignet. Dafür halten 46% der Befragten Mediatoren mit einer Ausbildung für kompetent.

6. Einschätzung nach Rechtsgebieten

Die Frage lautete: „Bei welchen Rechtsverfahren kann man mit einem Mediationsverfahren besonders gute Ergebnisse erzielen und bei welchen ist ein Gerichtsverfahren besser geeignet?”
Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten liegt die Mediation mit 87% weit vorn, gefolgt von Verletzung von Persönlichkeitsrechten mit 76%. Ehestreitigkeiten werden mit 60% der Mediation zugeschrieben, Erbschaftsangelegenheiten mit 47%. Im wirtschaftlichen Bereich liegen die Prozentzahlen für Mediation bei 24% für die Auseinandersetzung zwischen Unternehmen und sogar bei nur 17% bei Auseinandersetzungen um staatliche Baumaßnahmen.

7. Fazit

Mediation ist als Methode der Vermittlung in Konflikten bekannt, in Bildungsschichten sogar sehr bekannt. Einer Mehrheit der Bevölkerung ist es eher unangenehm, vor Gericht treten zu müssen. Mediation hat zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten ein großes Potential bei den Befragten, da sie die Tendenz zu einem Kompromiss ohne gerichtliche Auseinandersetzung aufgreift.
Im Unternehmensbereich, bei Streitigkeiten im Bereich Arbeitsrecht und bei gr0ßen öffentlichen Baumaßnahmen gibt es noch Entwicklungsmöglichkeit für die Mediation und Arbeitsfelder für Mediatoren.

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