Ein Tabu der Führungslehre – das Thema Macht

Kein Thema ist in der deutschen Wirtschaftswelt nach dem Artikel „Das wahre Gesicht der Macht“ (ManagerSeminare 12/2011) so tabuisiert wie das Thema Macht. Angesprochen auf ihre Macht, antworten Konzernchefs und Manager eher ausweichend und verweisen auf Teamorientierung und kooperativen Führungsstil. „ Macht hat man, über Macht spricht man nicht“, so ließe sich die Haltung zur Macht gut beschreiben. Kein Wort lässt deutsche Manager so zusammenschrecken wie das Wort Macht.

Die Wahrnehmung des Themas Macht ist immer noch von den Erfahrungen der Nazi Zeit geprägt. Rio Reiser mit seiner Band Ton Stein Scherben singt „Keine Macht für niemand“. Hinzu kommt, dass das Thema Macht in den Medien mit dem Thema Machtmissbrauch in Verbindung gebracht wird, gleich ob es um Josef Ackermanns direkten Wechsel in den Aufsichtsrat oder um die Bezahlung von Vorständen geht.

In der Managementlehre setzt sich die Tabuisierung fort. In den Lehrplänen der Management-Schools findet sich kaum das Thema Macht, das neben dunklen Seiten auch helle hat. Kein Manager kommt ohne Macht aus. Für Christine Bauer-Jellinek (Institut für Management Kompetenz) ist „Macht das Vermögen, einen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen.“ Und Widerstand gibt es in jedem wettbewerbsorientierten System. Wenn Manager Macht haben, ist der reflektierte Umgang mit ihr wichtig. Dennoch werden Fortbildungsangebote mit dem Wort Macht im Titel kaum gebucht. Ähnlich wie mit dem Thema Konflikt, über das noch vor fünf Jahren wenig offen gesprochen wurde, sollte es mit dem Thema Macht gehen. Inzwischen ist das Thema Konflikt auf dem Weiterbildungsmarkt etabliert.

Regeln für den kompetenten Umgang von Managern mit Macht sind:

1. Erwartungen klar kommunizieren

Macht senkt die Empathie – dies zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Das führt dazu, dass Führungskräfte den Wissensstand und die Erwartungen der Mitarbeiter einbeziehen. Mitarbeiter brauchen klare Anweisungen, um die Erwartungen erfüllen zu können und die notwendige Anerkennung zu erhalten

2. Entscheidungen diskutieren

Macht erhöht die Risikobereitschaft. Die andere Seite der Medaille ist, dass Gefahr auch unterschätzt wird. Bei schwerwiegenden Entscheidungen ist es um so wichtiger, andere Meinungen, aber nicht nur von gleichgesinnt risikofreudigen Managern, einzuholen.

3. Über Mitarbeiter sprechen

Wer Macht besitzt, neigt dazu, andere Personen stärker stereotyp wahrzunehmen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur über, sondern auch mit den Mitarbeitern zu sprechen.

4. Einen Zirkel der Macht aufbauen

Macht braucht einen Zirkel von Personen, auf deren Schultern ein Teil der Macht ruht. Diese liefern Ideen, andere Perspektiven und geben der Führungskraft ehrliches Feedback. Macht kann also unter bestimmten Bedingungen positiv ausgeübt und erlebt werden. Dazu braucht es aber einen bewussten Umgang mit Macht, statt sie zu tabuisieren. Das sollte im Vordergrund stehen, wenn es um das Thema Macht in der Wirtschaftswelt geht, statt Macht zu leugnen und auf Kooperation hinzuweisen.

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