Wie Hund und Katze? – Zur Rollendynamik zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat

Das Dilemma ist offensichtlich: Die Interessen der Mitarbeiter unterscheiden sich oft von denen der Unternehmensführung, doch das grundlegende Ziel, ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen, ist dasselbe.

Das bedeutet Verhandlung – darüber, wie sich die verschiedenen Interessen praktisch vereinbaren lassen und auf welche Weise das gemeinsame Ziel erreicht werden kann. Im Grunde eine Verhandlungssituation wie jede andere auch.

Kompliziert wird sie dadurch, dass Geschäftsleitung (GL) und Betriebsrat (BR) eine dauerhafte Zwangsgemeinschaft bilden. Der BR ist auf gesetzlicher Grundlage mit einigen Rechten ausgestattet, die es ihm ermöglichen, die Interessen der Arbeitnehmer zu schützen und zu vertreten. Die GL ist deshalb bei vielen Entscheidungen auf die Zustimmung des BR angewiesen.

Verhandlungen sind also immer wieder an der Tagesordnung. Und die jeweiligen Rollen und Rollenzuschreibungen wirken sich stark darauf aus, wie diese geführt werden. Steigen Gegner in den Ring, den nur einer als Sieger verlassen kann? Oder begegnen sich Verhandlungspartner, die an Interessenausgleich und Kooperation interessiert sind?

So einfach diese Wahl hier auch wirken mag, die Situation in der Praxis ist ungleich komplexer. So ist zum Beispiel die GL daran interessiert, schnell Entscheidungen zu treffen und diese konsequent umzusetzen. Der BR braucht Zeit zur internen Abstimmung, dann erst kann verhandelt werden. Andererseits ist der BR drauf angewiesen, von der GL über Pläne und Veränderungen informiert zu werden. Welche Informationen er wann bekommt, entzieht sich oft seiner Kontrolle. Diese und weitere Faktoren kennzeichnen das Verhältnis zwischen GL und BR und geben immer wieder Raum für die Entstehung und die Eskalation von Konflikten.

Wohlgemerkt: Unstimmigkeiten und Konflikte gehören zum System. Die Zwangsgemeinschaft zwischen GL und BR ist dazu gedacht, diese zu bearbeiten. Ob sie das kooperativ oder kompetitiv tut, bleibt den Parteien selbst überlassen. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass ein Klima der Kooperation möglich ist und von allen Seiten als sehr gewinnbringend erlebt wird. Vielleicht stehen GL und BR ihrer Ausgangsituation nach wie Hund und Katze zueinander, das bedeutet aber nicht, dass sie sich auch so benehmen müssen.

Ausführlicher zu diesem Thema der Artikel „Wenn Geschäftsleitung und Betriebsräte verhandeln – Zur Rollen- und Konfliktdynamik zwischen den Sozialpartnern“. Erscheint im Juli in: Konfliktdynamik Heft 3 2013

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